IKEA-Restaurant - Reportage

Kaufst du noch oder isst du schon?!

Im IKEA-Restaurant Bielefeld-Brackwede

Ich fahre in ein viel zu enges Parkhaus und stehe nach einigem Rangieren endlich einigermaßen annehmbar. Und nun? Wo steig ich aus? Auf der Fahrerseite steht das benachbarte Auto gefährlich nah dran. Auf der Beifahrerseite ist direkt die Stange des „Einkaufswagen-Parkplatzes“ zu finden. Also doch die Fahrerseite. Ganze 10 cm geht meine Autotür auf. Zuerst die Beine….nein vielleicht doch lieber erst der Kopf. So, irgendwie bin ich draußen. Weiß selber nicht mehr, wie ich es letztendlich geschafft habe.
Und wenn ich jetzt nur daran denke, man hat einen Schrank, eine Matratze oder irgend etwas anderes Großes gekauft……oh, da kommt jemand. Genauer gesagt zwei Frauen, jede mit einem randvollen Einkaufswagen. Diese machen nur leider was sie wollen und lassen sich von den beiden Kundinnen nur schwer durch die engen Durchgänge bugsieren.
So, den ersten Durchgang haben sie bewältigt. Dann werd ich mal weiter.

Aus dem Parkhaus raus, geh ich circa 100m über den angrenzenden Parkplatz und muss ständig anderen, mit ihren Einkäufen kämpfenden, Kunden ausweichen.

Nächstes Etappenziel – die Drehtür. Geschafft!

Endlich steh ich im „Möbelhaus-Anziehungpunkt Nr. 1“! IKEA.

Jetzt noch die Treppe rauf, durch das Drehkreuz, ein letztes Mal rechts abbiegen und dann ist es da - das Restaurant.

Ich hol mir noch schnell einen Kaffee und dann kann es losgehen. „Big brother is watching you!“

Ich mache es mir auf meinem hellen, lehnenlosen Hocker bequem und prompt springt mir der erste Besucher ins Auge. „Alpenkick 08“ ist sein Motto und er trägt es auf seinem schwarzen T-Shirt durch die ganze Welt.

Nebenan eine asiatische Großfamilie mit einem Säugling und drei weiteren kleinen Kindern. „Besser ohne Rauch!“ prangt auf einem großen Schild direkt hinter ihrem Tisch. Diese Aussage prägt zusammen mit „Gratis nachfüllen!“ das Bild.

Nach und nach stürmen mehr und mehr Kunden mit Bestellscheinen in der Hand das Frühstücks-Buffet. Die „Böhsen Onkelz“ dürfen dabei natürlich nicht fehlen. In dem über und über mit IKEA-Papierlampen geschmückten Raum, gibt dieser Fan ein zuweilen recht seltsames Bild ab. Der komplett in Schwarz gekleidete Mann sticht schon hervor, vor den knallbunten, blumigen Schiebevorhängen - direkt vor dem Gartenarrangement. Blumen, Gießkannen, Töpfe, Schaufeln. Alles, was das Gärtnerherz begehrt.

Der „Onkel“ setzt sich auf einen roten Stuhl. An einen roten Tisch - alle mit Preisschildern versehen - zu seinen Kumpels.

Da läuft ein Mann mit einer Zeitung an meinem Tisch vorbei. Und ich bemerke, dass man hier schon recht gut lesen kann. Denn für so einen großen Raum ist es erstaunlich ruhig. Stimmengemurmel, Geschirrklappern und das leise Dröhnen der Kaffeemaschinen - wenn sie für Latte Macchiato, Cappuccino, Milchkaffee und Co. den Schaum aufschlagen - ist alles, was man hört. Allerdings ist es relativ dunkel. Die Papierlampen sind zwar sehr dekorativ, scheinen ihrem wahren Zweck allerdings nicht ganz gerecht zu werden.

Ich genieße gerade noch den Ausblick auf die Firma „Goldbeck“, die einem auf der anderen Seite der Glasfront direkt ins Auge springt – da sehe ich Schwarz, Rot, Gold. Direkt vor mir steht ein Mann mit einem „Deutschland“-T-Shirt. Er kämpft sich mit einem Kinderwagen zwischen den Tischen hindurch und zieht noch ein zweites Kind hinter sich her. Ebenfalls durchkämpfen muss sich auch die Putzfrau, die nicht müde wird, sämtliche Tische zum x-ten Mal zu säubern und unter ihnen zu fegen.

Auf einmal ist der „Onkel“ wieder da. Er kommt zum Nachfüllen an einen der Getränkeautomaten. Während er sich nachschenkt, kann ich auf seinem Rücken die kompletten Daten der letzten Tournee seiner favorisierten Band nachlesen – auf einer nachgeahmten Wirbelsäule sind diese Knochen für Knochen festgehalten.

Schon lenken mich die nächsten Besucher von meiner Lektüre ab. Ich schaue noch einmal auf meine Uhr, um mich zu vergewissern. Aber ja, es ist 11.00 Uhr – morgens! Und diese drei Herrschaften essen tatsächlich Pommes mit Kötbullern - den schwedischen Frikadellen. Dazu, wie es sich gehört, Multivitaminsaft bei den beiden Damen und eine Bionade-Holunder für den Herrn. Noch einmal ordentlich nachsalzen und dann – Guten Appetit! Nachdem man(n) sich vergewissert hat, dass kein Flaschenöffner zur Verfügung steht, wird die Flasche mit den Zähnen aufgemacht. Dann wird die Limonade in ein Glas geschüttet und einem Geschmackstest unterzogen. Mit skeptischen Blicken, aber ohne Worte, wird das Getränk als nicht unbedingt wohlschmeckend abgestempelt und stehen gelassen. Es wird stattdessen ein Wasser nachgeholt und gleichzeitig noch eine ordentliche Portion Ketchup für die Pommes mitgebracht.

Da schweift mein Blick zu einer Mutter mit ihrem Kind – insgesamt sind sowieso sehr viele Kinder hier – die beide „Pippi-Langstrumpf-Zöpfe“ tragen und auch sonst komplett aufeinander abgestimmt sind.

„Frau Dr. Kunwat möchte sich bitte beim Kundenservice melden. Frau Dr. Kunwat, bitte!“

Plötzlich hockt neben mir strotzig ein Mädchen auf dem Boden. Es ist ein Kind der asiatischen Großfamilie, die ich zu Anfang schon einmal beobachtet hatte. Es hat sich mit einer ihrer Schwestern gestritten und spricht nun mit sich selber. Da kommt die Schwester zurück, beugt sich zu der Kleinen runter – und dann ist alles wieder in Ordnung. Spätestens bei Mama auf dem Arm ist dann alles wieder vergessen.

„Der Fahrer des Fahrzeugs mit dem Kennzeichen BI-XO 171 möchte bitte zu seinem Fahrzeug kommen.“

„Der Fahrer des Fahrzeugs mit dem Kennzeichen BI-SK 161 möchte bitte zu seinem Fahrzeug kommen.“

Ich gucke mich noch einmal um, um das Bild der Menschen aller Altersgruppen und Typen, der jungen Pärchen und der vielen Schwangeren in mich aufzunehmen.

Da bricht die asiatische Großfamilie auf und auch die „Pommes-Gemeinschaft“ verlässt das Feld – also auch für mich Zeit zu gehen.

28.7.08 12:19

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Annika (29.7.08 19:35)
Na, da hast du die armen Leute aber zu böse beschrieben!!!Das geht so aber nicht!!!;-)Ach,lass Passeick reden...
Ich finds trotzdem gut und du hast ja auch recht damit.
Lieben Gruß, Annika

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