Portrait über eine freiwillige Mitarbeiterin im Jugendrotkreuz

„Kleinvieh macht auch Mist!“
Svenja Voigt im „Riesentheater“ des Jugendrotkreuzes

 
Nichts ist so selbstverständlich, wie wir es uns wünschen! Nicht die Gesundheit, nicht der gesicherte Arbeitsplatz -  und schon gar nicht die ehrenamtliche Hilfe. Aber hin und wieder findet man doch Ausnahmen:  So zum Beispiel beim Jugendrotkreuz!

Svenja Voigt ist eines der letzten 2 Helferlein beim Jugendrotkreuz (JRK) Lage. Ganz gelassen sitzt sie mit ihren kurzen, rötlichen Haaren im Schneidersitz auf dem Sofa. Im Hintergrund wuselt ein kleiner Hamster durch seinen Käfig. Ihre kleine Wohnung ist sehr gemütlich mit ihren warmen Orangetönen. Man fühlt sich gleich wie zu Hause! Als sie dann anfängt von den Kampagnen und ständig wechselnden Aktionen des JRK zu sprechen, fangen ihre Augen hinter der Brille an zu leuchten. Ob der Erste – Hilfe – Kurs, eine Brandsimulation, Großübungen an Flughäfen oder die Realistische Unfall-Darstellung, allem geht sie mit Herzblut nach…..und das spürt man auch.

Die Realistische Unfall-Darstellung zum Beispiel, kurz RUD, ist für Svenja nicht nur die Nachahmung eines theoretischen Szenarios, sondern „eine Art Theaterspiel“. Wenn sie dann mit einem einfachen Gummihandschuh einen komplizierten Fingerbruch darstellt, oder Schürf- und Platzwunden schminkt, ist sie voll in ihrem Element!

Sie liebt es durch ihre Arbeit einen anderen Einblick auf die Geschehnisse zu bekommen, die von den meisten gemieden werden - obwohl sie doch  leider so alltäglich sind. Nicht weil sie Spaß am Leid hat. Nein! Svenja weiß, im Gegensatz zu dem weit verbreitetem Glauben „Mir passiert schon nichts“, dass Unfälle Jeden treffen können. Und in diesen Situationen möchte sie helfen! Möchte sie wissen, was zu tun ist!

Vor 11 Jahren hat die heute 27-jährige ihren Weg zum Jugendrotkreuz gefunden. Das Ganze war relativ unspektakulär. Svenja war damals gerade 16 Jahre alt und machte ihren Rollerführerschein. Für diesen brauchte sie natürlich einen Erste – Hilfe – Kurs. Da es zu der Zeit keine Jugendrotkreuz-Gruppe in Lage gab, wurden sie und die anderen sechs Kursteilnehmer kurzerhand gefragt, ob sie Lust hätten eine solche Gruppe wieder aufzubauen. Alle stimmten zu. Das war mal was Neues! Und es war so eine lustige Gruppe. Was wirklich dahinter steckt – das wusste Keiner!

Heute  ist Svenja eine von zwei Leitern und noch die Einzige von damals. Die anderen drei Jungs und drei Mädels haben aufgegeben. Ja, aufgegeben! Sie haben es nicht geschafft. „Sie haben nicht geschafft alles unter einen Hut zu bekommen, wie man so schön sagt.“  Natürlich sei die Arbeit zeitintensiv. Man opfere schon fast seine komplette Freizeit. Und ja, man bekomme auch nichts dafür. „Man hat nichts für sich selber“, wie eine häufige Ausrede lautet, erklärt Svenja. Das alles ist für viele abschreckend. Und für Svenja sind dies auch die Gründe, warum nur noch so wenige Menschen ehrenamtlich helfen.

Aber Svenja kann das nicht davon abhalten: „Man hilft anderen Menschen und das kann doch nicht falsch sein!“. Klar sei es manchmal auch für sie schwierig das JRK mit ihrer Arbeit zu vereinbaren. Und wenn dann bei anderen Leuten noch ein Kind im Spiel ist, macht es das noch schwieriger. Aber wer es wirklich wolle, der schaffe es auch, erzählt sie wild gestikulierend.

„Man muss ja nicht gleich in den Kongo – Kleinvieh macht auch Mist!“, erklärt sie. Dann grinst sie. Das war jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben – aber der Grundgedanke stimme doch!

Menschen zu helfen und sie glücklich zu machen, scheint sowieso in der Natur ihres Wesens zu liegen. Denn beruflich ist Svenja Reiseverkehrskauffrau. Sie hat es sich wohl zu ihrer Aufgabe gemacht für andere zu planen, zu denken und zu lenken…

Gerade geht man noch in Gedanken durch, was man denn selber für die „Gute Sache“ tut und bekommt schon fast ein schlechtes Gewissen, da lacht sie auch schon wieder: „Keine Angst – wir sind auch keine Engel“!  Klar müsse man immer wieder Übungen mit den Mitgliedern machen -  ganze fünf sind es in Lage – sodass aufgrund der kleinen Gruppenstärke auch mal aus benachbarten Städten Helfer zureisen. „Man macht natürlich aber auch mal Blödsinn, aber das muss auch sein“! Einfach mal Schwimmen gehen oder eine Filmnacht sei nicht verkehrt. Das stärke das Gruppengefühl. Und das brauche man auch.

 Denn es ist nicht immer alles Gold was glänzt! Als ob die Arbeit nicht schon aufwendig genug wäre, bekommen die freiwilligen Helfer auch noch Steine in den Weg gelegt. Und das sogar aus den eigenen Reihen! Das übergeordnete Deutsche Rote Kreuz (DRK) nimmt die Jugend oft nicht ernst. Denn das JRK gehört nicht direkt mit dem DRK zusammen und wird häufig einfach als „Hobbygruppe“ abgestempelt. Somit herrscht zeitweise eine richtige Rivalität zwischen den Vereinigungen und die jungen Leute müssen des Öfteren um ihre Teilnahme an Großübungen und größeren Kampagnen kämpfen.
Und das obwohl sie der Nachwuchs sind?!

Aber da sind die jungen Mitglieder, die von den Leitern ganz einfach „Kiddies“ gerufen werden – und das bei einem Altersdurchschnitt von 21 – nicht verlegen. Sie starten kurzerhand eigene Kampagnen. So zum Beispiel „Ihre Hausnummer ist keine Geheimzahl“. Dort wurden die Bewohner darauf aufmerksam gemacht, wenn ihre Hausnummer gar nicht oder nur schwer zu erkennen war. Denn ist dies der Fall, können bei der Suche nach dem richtigen Haus bei einem Rettungseinsatz wichtige Minuten verloren gehen.

„Ich gehöre auch schon langsam zum alten Eisen“, lacht Svenja, als sie erklärt, dass man mit 30 eigentlich so langsam aus dem Jugendrotkreuz aussteigt.

Lachen tut sie sowieso viel. Und gerne. Und laut. Ansteckend ist es – genauso wie ihre Freude an der Hilfe! An der ehrenamtlichen Hilfe!

 

                                                                                             

27.7.08 13:37

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